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Roman Vigut

Journalist & Blogger

Die Eurokrise hat auch eine gute Seite

Das Jahr geht zu Ende und aus österreichischer Sicht kann man durchaus zufrieden auf die wirtschaftliche Entwicklung zurückblicken. Das Bruttoinlandsprodukt wächst real um zwei Prozent und auch für die kommenden Jahre sind die Aussichten positiv.

Diese Entwicklung hat Österreich auf den ersten Blick zwei Faktoren zu verdanken: steigende Einnahmen aus Exporten und der Entwicklung in Deutschland. Denn dort wächst die Wirtschaft heuer sogar um 3,7 Prozent.

Nun klopfen sich die Politiker in Berlin und Wien selbst auf die Schulter und betonen, wie gut sie ihre Länder aus der globalen Finanzkrise gesteuert haben und das, obwohl in Europa die Eurokrise ausgebrochen ist.

Wobei „obwohl“ in meinen Augen das falsche Wort ist. Denn eigentlich sollte hier ein „weil“ stehen. In Deutschland war der Export 2010 der größte Wachstumstreiber. Umgelegt auf Österreich bedeutet das, dass das Wirtschaftswachstum vor allem den gestiegen Ausfuhren zu verdanken ist.

Aber was hat das mit der Eurokrise zu tun? Die Lösung dafür ist in derglobalen Vernetzung der Wirtschaft zu suchen. Die Eurozone trägt rund 14 Prozent des weltweiten BIP und ist für gut ein Fünftel der weltweiten Exporte verantwortlich. Zum Vergleich: Die USA liegen in diesem Bereich mit rund 11 Prozent deutlich hinter der Eurozone.

Dennoch wird weltweit hauptsächlich in Dollar verrechnet. Das war vor allem im Jahr 2009 ein großes Problem für die europäische Wirtschaft. Der Euro pendelte vor der Eurokrise zwischen 1,4 Dollar und 1,5 Dollar. Diese hohen Wechselkurse bedeuteten für die europäische exportorientierte Industrie einen großen Wettbewerbsnachteil, da ihre Produkte im Vergleich zu Produkten aus dem Dollarraum sehr teuer waren.

Dann kam die Eurokrise und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel handelte in einer Art und Weise, die den Euro noch zusätzlich schwächte.Erstens blockierte sie anfänglich Finanzhilfen für Griechenland und sorgte damit dafür, dass der IWF mit ins Boot geholt wurde. Die Folge: ein Verfall des Eurokurses. Im Fall Irlands forderte sie eine Beteiligung der Banken bei der Bewältigung der Eurokrise. Und wieder kam die Gemeinschaftswährung unter Druck.

Auf den ersten Blick eine schwer nachzuvollziehende Vorgangsweise. Sieht man allerdings genauer hin, muss man erkennen, dass sie für die Wirtschaft in Deutschland – und auch in Österreich – genau das Richtige getan hat: Sie hat dafür gesorgt, dass der Euro abgewertet wurde. Der Wechselkurs Euro/US-Dollar fiel kurzzeitig auf 1,2.

Aber warum war das gut für die deutsche und österreichische Wirtschaft? Beide Staaten sind Exportländer. Die Wirtschaft wird vor allem von den Ausfuhren getragen, die Binnennachfrage ist eher gering. Und der schwache Euro hat im weltweiten Handelskarusell nun Folgendes bewirkt: Im Vergleich zum Jahr 2009 sind Produkte aus dem Euroraum um 15 bis 20 Prozent billiger geworden.

Zur Erinnerung: Weltweit wird der Handel in Dollar abgerechnet. EineAbwertung des Euros verbilligt daher die Produkte aus diesem Wirtschaftsraum.

Die billigen Preise hatten zur Folge, dass Waren aus dem Euroraum stärker nachgefragt wurden und die exportorientierte Industrie mehr Aufträge bekam. Das bewirkt in den Exportländern ein starkes Wirtschaftswachstum.

Übrigens: Vor der Irlandkrise erreichte der Kurs des Euro wieder einen Stand von 1,4 US-Dollar. Als Folge schwächte sich die Exportdynamik in Deutschland im vierten Quartal ab.

Bevor sich also die heimischen Politiker damit beweihräuchern, dass sie in Österreich trotz Eurokrise die Wirtschaft angekurbelt haben, sollten sie bedenken, dass die Eurokrise einen Gutteil zu diesem Wachstum beigetragen hat. Und bevor Experten den Euro in ihren Kommentaren zu Grabe tragen, sollten sie beachten, welche enormen Auswirkungen die Wechselkursschwankungen der Gemeinschaftswährung bereits jetzt auf den Welthandel haben.

Bildquelle: Ian Britton, freefoto.com

Dieser Beitrag entstand im Rahmen meiner Tätigkeit für Kleine Zeitung Digital. Es gilt österreichisches Urheberrecht. Die Verwertungsrechte liegen bei Kleine Zeitung Digital.

 

von Roman Huber

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