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Roman Vigut

Journalist & Blogger

Ein dreckiges Geschäft

Unbekannten Hackern ist Mitte Jänner ein unvergleichlicher Coup geglückt. Sie haben Tausende Tonnen CO2 „gestohlen“. Was auf den ersten Blick unspektakulär wirkt, wirft ein dunkles Licht auf einen der undurchsichtigsten Wirtschaftszweige der EU.

Klimaerwärmung, Treibhauseffekt und Kyoto-Protokoll sind Begriffe, die seit Jahren die öffentliche Diskussion beherrschen. Vor allem wenn es um kalte Sommermonate oder warme Dezemberwochen geht, tauchen diese Begriffe in den Medien auf.

Rund um diese Themen hat sich in den vergangenen Jahren ein neuer Wirtschaftszweig entwickelt, abseits der Tagespolitik und dem Streit, ob der Klimawandel vom Menschen ausgelöst sei oder nicht. Der Handel mit Verschmutzungsrechten, auch CO2-Zertifikate genannt, ist zu einem Bombengeschäft geworden, für alle die verstehen, worum es dabei geht.

Erst der Diebstahl von diesen Zertifikaten hat den Begriff jetzt wieder in die Medien gebracht. Europaweit wurden Verschmutzungsrechte im Wert von 28 Millionen Euro gestohlen und verkauft – ein Teil davon verschwand aus Österreich. Aber was sind Verschmutzungsrechte?

Die Idee ist durchaus nachvollziehbar: Um das Klima zu schützen und die Emission von Treibhausgasen zu reduzieren sollen jene, die CO2 produzieren, etwas zahlen. Dafür, dass man eine Tonne CO2 in die Luft bläst, muss man daher derzeit 14,2 Euro zahlen. Zum Vergleich: Rund 2,5 Tonnen verbraucht ein Mittelklassewagen im Jahr (20.000 Kilometer).

Der Vorfall zeigt einen der Grundfehler des Konstrukts auf. Ähnlich den Derivaten bei Aktien und Wertpapieren gibt es CO2-Zertifikate in Wahrheit nicht. Es sind keine existenten Güter, es ist eine simple Idee, die zwischen Energieunternehmen, Banken und Staaten gehandelt wird.

So wundert es nicht, dass Hacker auf die Idee gekommen sind, das System zu manipulieren. In Österreich wurde die zuständige Behörde ECRA mit einer Denial of Service Attacke abgelenkt und 488.141 Zertifikate zur Luftverschmutzung mit je einer Tonne CO2 entwendet. Ähnlich gingen die Computerspezialisten in Tschechien, Griechenland, Polen und Estland vor. Die gestohlenen Verschmutzungsrechte wurden verkauft.

So offenbart sich ein weiterer Grundfehler des Konstrukts. Denn Banken und Finanzdienstleister schützen die Computer, hinter denen sich Derivate, Futures und Optionen verbergen mit großem finanziellen Aufwand. MancheStaaten haben offenbar auf wirksame Sicherheitssysteme verzichtet.

Daher ist dieser Fall ein gutes Beispiel dafür, wie viel der Klimaschutz den Regierungen wert ist.

Bildquelle: Dieter Schütz, pixelio.de

Dieser Beitrag entstand im Rahmen meiner Tätigkeit für Kleine Zeitung Digital. Es gilt österreichisches Urheberrecht. Die Verwertungsrechte liegen bei Kleine Zeitung Digital.

von Roman Huber

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