SpielwieseEuro-Austritt ist keine Alternative - Spielwiese

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Roman Vigut

Journalist & Blogger

Euro-Austritt ist keine Alternative

Griechenland bekommt seine Finanzen nicht in den Griff. Es gibt Krisentreffen in Luxemburg und allerlei Spekulationen. Soll man bei dem bisherigen Fahrplan bleiben oder kommt doch der Haircut oder der Austritt aus der Eurozone. Die möglichen Szenarien.

Nachdem Portugal unter den EU-Rettungsschirm geflüchtet ist, haben sich die Anleger nun wieder Griechenland zugewendet. Das Land hat weiterhin Probleme seine Schulden in den Griff zu bekommen. Das enorme Sparprogramm hat die hellenische Wirtschaft in die Knie gezwungen.

Doch ohne das entsprechende Wachstum kann die Sanierung des Haushaltes nicht gelingen. Nun mehren sich die Gerüchte, dass die EU wieder eingreifen wird müssen. Theoretisch gibt es drei Szenarien, wie Griechenland aus der Schuldenfalle kommt:

Auf Kurs bringen

Bisher hält die EU an dem Ziel fest, Griechenland mit Finanzhilfen und rigiden Sparmaßnahmen auf Kurs zu bringen. Das Problem: Die Wirtschaft des Eurolandes war stark auf staatliche Ausgaben angewiesen. Versiegen diese Einnahmen für die Bürger, können sie weniger ausgeben und bekommen keine Kredite bei den Banken. Die Folge: Die Wirtschaft schrumpft. Das wiederum ist ein Problem. Denn Griechenland kann seine Schulden langfristig nur mit Steuereinnahmen zurückzahlen.

Wenn dieser Weg beibehalten werden soll, wird die EU noch mehr Geld nach Griechenland schicken müssen. Das muss allerdings nicht zwingend in Form von Finanzhilfen für die Regierung geschehen. Auch eine Ausweitung der Strukturhilfen für das Land wäre denkbar. Wichtig ist: Die Griechen brauchen wieder Jobs, Geld zum Einkaufen und Kredite um Häuser bauen zu können. Nur so erholt sich die Wirtschaft in dem EU-Land. Nur so ist eine Rückzahlung der Staatsanleihen und Finanzhilfen denkbar.

Haircut

Vor allem die Finanzmärkte glauben nicht, dass die griechische Regierung und die EU das Land sanieren können. Experten gehen davon aus, dass die Schuldenlast zu groß ist und nur eine Reduzierung der Ausstände die Griechen vor dem Bankrott bewahren kann.

Prinzipiell ist das kein ungewöhnliches Vorgehen. Auch Unternehmen werden so vor dem endgültigen Aus gerettet – in Österreich mit dem „Sanierungsverfahren in Eigenverantwortung“. Dabei verzichten Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen, da bei einem Bankrott der Totalverlust droht.

Bei Staaten ist das etwas komplizierter. Geht ein Land diesen Schritt, ist es für mehrere Jahre vom internationalen Finanzmarkt abgeschnitten. Keine Bank, kein anderer Staat wird Anleihen kaufen. Ein Beispiel ist Russland, das nach dem Haircut von 1998 zwölf Jahre warten musste, bis es wieder Geld aufnehmen konnte.

Kann Griechenland genug Steuern eintreiben, wäre dieser Schritt durchaus denkbar. Noch dazu würden nicht die EU-Bürger, sondern die verhasste Finanzwirtschaft die Zeche zahlen. Es gibt aber einen Haken. Niemand weiß, wie viel Europas Banken in griechische Staatspapiere investiert haben. Ein Haircut könnte einen ähnlichen Finanzschock auslösen, wie die Pleite der Großbank Lehman Brothers.

Dennoch: Sollte sich Griechenlands Wirtschaft nicht erholen, ist das ein möglicher Schritt zur Rettung der Staatsfinanzen.

Austritt

Vor allem links- und rechtsextreme Politiker fordern immer wieder, dass Griechenland aus der Eurozone austreten und die Drachme wieder einführen soll. So könnte das Land mittels einer hohen Inflation sein Schuldenproblem in den Griff bekommen. Übersetzt: Solange Drachmen drucken, biss die Schulden getilgt sind.

Diese Lösung sieht auf den ersten Blick einfach und plausibel aus, würde Europa aber endgültig in den Abgrund stürzen. Sowohl Wirtschaft als auch soziale Sicherheit würden auf das Niveau Südamerikas oder gar Afrikas fallen.

Warum, lässt sich sehr einfach erklären: Stellen Sie sich vor, ein Ihnen befreundeter Grieche hätte sich 1000 Euro ausgeborgt. Dann führt Griechenland die Drachmen wieder ein und ebenjener will Ihnen statt der 1000 Euro 10.000 Drachme geben. Was würden Sie machen? Also ich würde ihn auffordern, mir gefälligst meine Euro zu geben. Genauso würden auch alle Banken reagieren, die griechische Staatsanleihen halten. Ein Weginflationieren wäre also nicht möglich. Denn egal, wie viel Drachmen die Griechen auch drucken – keiner wird sie haben wollen.

Das Problem ist aber deutlich größer. Sie müssen sich nämlich weiters vorstellen, Sie hätten ein Sparbuch mit 1000 Euro bei einer griechischen Bank. Dann führt Griechenland die Drachme wieder ein und die Bank will die 1000 Euro in 10.000 Drachmen verwandeln. Was würden sie machen? Also ich würde an den Tagen vor der Drachme-Einführung zur Bank gehen und meine Euros abheben. Ebenso würden fast alle Griechen reagieren. Denn auch sie wollen die Drachme nicht. Die Folge: Sämtliche Banken gehen Bankrott, die griechische Finanzwirtschaft fällt zusammen. Die Wirtschaft läge am Boden.

Wem aber gehören diese Banken, wer ist der Kreditgeber dieser Banken? Aktionäre aus ganz Europa, andere Großbanken. Die Pleite der griechischen Geldinstitute würde eine Bank nach der anderen in den Abgrund reißen. Die Kosten für die Rettung dieser Finanzkonzerne würde jene für den Euro-Rettungsschirm bei Weitem übertreffen.

Hinzu kommt, dass der Austritt Griechenlands aus der Eurozone das internationale Vertrauen in die Gemeinschaftswährung erschüttern würde. Bereits jetzt halten viele Staaten Euro als Reservewährung – unter anderem auch China. Sollten diese nun nicht mehr an den Euro glauben und diesen gegen Dollar eintauschen wollen, würde der Wert der Währung rapide fallen. Binnen Kürze käme die Währung unter Druck, die Inflation würde massiv steigen. Die EZB müsste mit Zinssteigerungen gegensteuern. Das würde das Wirtschaftswachstum abwürgen und Europa in eine Rezession stürzen.

Die Folgen für die Österreicher: Die Inflation würde die Ersparnisse vernichten. Das ist allerdings nicht so verheerend, wie die Pleitewelle am Bankensektor. Österreich müsste sich massiv verschulden, um das bisschen zu retten, das den Bürgern noch geblieben ist. Durch die hohen Zinsen würde die Wirtschaft arg in Bedrängnis geraten. Die Unternehmen müssten massiv Arbeitsplätze abbauen.

Ob dieses Szenario zu 100 Prozent so eintrifft, kann natürlich niemand sagen. Aber dennoch sollten die EU-Politiker nicht riskieren, dass auch nur ein kleiner Teil dessen eintrifft, was ich hier beschrieben habe.

Der Austritt Griechenlands aus der Eurozone müsste eigentlich von jedem Österreicher abgelehnt werden, schon um sich selbst und seine Zukunft zu schützen.

 

von Roman Huber

Dieser Beitrag entstand im Rahmen meiner Tätigkeit für Kleine Zeitung Digital. Es gilt österreichisches Urheberrecht. Die Verwertungsrechte liegen bei Kleine Zeitung Digital.

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