SpielwieseEZB-Megakredit: 500 Milliarden Euro freies Kapital sind zu viel - Spielwiese

Blog author

Roman Vigut

Journalist & Blogger

EZB-Megakredit: 500 Milliarden Euro freies Kapital sind zu viel

Nach dem zweiten Tender der EZB verfügen Europas Banken nun über rund 500 Milliarden Euro an verfügbarem Kapital. Was wie eine Hilfe für den angeschlagenen Kreditmarkt wirkt, könnte sich schnell zu einem Bumerang wandeln und Europas Wirtschaft gefährden.

Das nennt man wohl ein Deja-vu: Am 21. Dezember 2011 vergibt die EZB 489 Milliarden Euro an Billigst-Krediten an die europäischen Banken. Am 29. Feber 2012 wird die Aktion wiederholt – 800 Banken holen sich 529,5 Milliarden Euro. Zinssatz: ein Prozent.

Die Banken mussten einen großen Teil dieser beiden Tender dafür nutzen, alte Kredite bei der EZB zurückzuzahlen. Zieht man diese Beträge ab, bleiben dennoch rund 500 Milliarden Euro übrig, die nun in den Tresoren der Geldinstitute lagern.

Doch derzeit herrscht Misstrauen am Markt. Bevor man auch nur einen Cent verleiht, parkt man die Milliarden bei der EZB. Mitte Jänner stiegen die Übernacht-Einlagen der Zentralbank auf 501,93 Milliarden Euro.

Angesichts dieser Faktenlage muss man sich fragen, was dieser Schritt der EZB nun gebracht hat?

Die Zentralbank verfolgt damit zwei Ziele: Erstens sollen die Banken das neue Geld in Anleihen der torkelnden Euro-Staaten investieren und damit die Schuldenkrise eindämmen. Außer einer Beruhigung der Märkte bringt dieser Schritt den Volkswirtschaften kaum etwas. Meist werden durch die Anleihen nur alte Schulden beglichen. Das Geld fließt dann zurück an die Gläubiger der Staaten – an die Banken.

Das zweite Ziel sollte allerdings die Wirtschaft beflügeln. Die Zentralbank will den Interbanken-Markt beflügeln und dafür sorgen, dass wieder Kredite vergeben werden. Unternehmen und Privat könnten wieder investieren, die Wirtschaft würde florieren. Hier liegt allerdings der Hund begraben. Denn erholt sich der Kreditmarkt zu schnell, könnte in wenig Zeit sehr viel Geld unter die Leute gebracht werden. Die Inflation würde rasant nach oben schnellen. Eine Entwicklung, die man bisher stets verhindern wollte.

Die EZB sollte sich heute schon überlegen, wie sie ein Überkochen der Wirtschaft verhindern will. Denn sonst kann es sein, dass ein rascher Aufschwung Europa mehr schadet als nutzt.

Foto: Idea go / FreeDigitalPhotos.net

Dieser Beitrag entstand im Rahmen meiner Tätigkeit für Kleine Zeitung Digital. Es gilt österreichisches Urheberrecht. Die Verwertungsrechte liegen bei Kleine Zeitung Digital.