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Roman Vigut

Journalist & Blogger

Ohne Investition zum Scheitern verurteilt

80 Prozent der Studenten setzen ihr Studium nach dem Bachelorabschluss fort, um einen Masterlehrgang zu absolvieren. Auch am Arbeitsmarkt haben Bachelors kaum Aussichten auf Erfolg. Eine Analyse des gescheiterten Titels.

Durch den Bologna-Prozess gibt es seit mehreren Jahren in Österreich Universitätsabsolventen mit einem Bachelor als Abschluss. Doch die Akzeptanz bei Wirtschaft und Studenten für den neuen Titel ist gering bis gar nicht vorhanden. Das liegt vor allem an einem grundlegenden Fehler bei der Einführung der Bologna-Struktur.

Denn die Politiker haben etwas nicht bedacht: Der Bachelor ist als neuer Titel auch eine Art neues „Produkt“ am Arbeitsmarkt. Wenn man nun vergleicht, wie viel Geld Unternehmen in die Innovation neuer Waren, Artikel oder Dienstleistungen stecken, wird schnell klar, warum die Einführung des Bachelors nicht von Erfolg gekrönt war.

Will ein Unternehmen ein neues Produkt auf den Markt bringen, sind Investitionen in die Entwicklung des Angebotes der erste Schritt. Nach ersten Prototypen und Tests ist die Ware dann marktreif. Es folgt Schritt 2: die Einführung. Auch hier muss kräftig in Werbung und PR investiert werden, um das Produkt beim Kunden bekannt zu machen und Käufer zu begeistern. Erst nach diesen beiden Schritten kommt eine Wachstumsphase und das Unternehmen beginnt, mit dem neuen Angebot Geld zu verdienen.

Und wie ist die Bundesregierung vorgegangen, als das neue „Produkt“ Bachelor eingeführt wurde? Erst hat sich die Regierung Schüssel nicht dazu bekannt und der EU die Schuld für die Änderungen in die Schuhe geschoben. Dann wollte man unbedingt die Magistertitel und Diplom-Ingenieure behalten, Mastertitel waren zu anglizistisch. Gleichzeitig kam man auf die glorreiche Idee, die Unis neu zu strukturieren und ihre Finanzierung auf Rahmenpläne umzustellen – das Universitätsgesetz 2002 war geboren. Ziel der Aktion waren allerdings nicht Investitionen in die Bildung sondern die Kürzung der Ausgaben für den tertiären Sektor. Als Draufgabe wurden die Studiengebühren nicht zur Finanzierung der Unis verwendet, sondern zum Stopfen von Budgetlöchern.

Alle diese Punkte sind das Gegenteil davon, was man Investition nennen könnte. Der Bachelor stand also von vornherein unter einem schlechten Stern. Dementsprechend war das „Produkt“ Bachelor auch alles andere als marktreif, als es schließlich eingeführt wurde. Vielfach wurde ein achtsemestriges Studium einfach auf sechs Semester zusammengestrichen oder aus dem ersten Abschnitt eines Diplomstudiums wurde ein Bachelorstudium.

Die Reaktion der Öffentlichkeit entsprach genau dieser Entwicklung. Weder Wirtschaft noch Studenten akzeptieren diesen Abschluss. Er bietet keine vernünftige Berufsausbildung. Selbst die Mehrzahl europäischer Universitätsrektoren hält den Titel nicht für arbeitsmarktfähig. Nicht einmal die Bundesregierung, die den Bologna-Prozess vorantreibt, sieht den Abschluss als gleichwertig zum Magister an. Im Staatsdienst kann man als Bachelor kein A-Beamter werden und ist damit einem Maturanten gleichgestellt.

Heute hat der Bachelorabschluss ein Renommee, das nicht einmal die beste PR-Strategie verbessern könnte. Das Einzige, was helfen würde, wäre zurück zum Start. Die Studienpläne müssen überarbeitet werden und der Staat muss viel Geld in diese neue Ausbildung und damit in die Universitäten investieren. Denn nur gut ausgebildete Bachelorabsolventen können das Ansehen des Titels noch retten. Leider macht die österreichische Bundesregierung genau das Gegenteil – das Scheitern dieser Uni-Politik ist so gut wie sicher.

 

von Roman Huber

Bildquelle: Gerd Altmann, pixelio.de

Dieser Beitrag entstand im Rahmen meiner Tätigkeit für Kleine Zeitung Digital. Es gilt österreichisches Urheberrecht. Die Verwertungsrechte liegen bei Kleine Zeitung Digital.

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