SpielwiesePaid-Content: Auch One Pass droht zu scheitern - Spielwiese

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Roman Vigut

Journalist & Blogger

Paid-Content: Auch One Pass droht zu scheitern

Im Jänner ließ Apple mit einer Neuerung in seinen Geschäftsbedingungen aufhorchen. Verleger mit kostenpflichtiger iPad-App dürfen ihren bisherigen Abonnenten keinen Gratis-Zugang geben, da der Konzern dann nicht an den Einnahmen beteiligt ist. Nun hat Google sein System für Paid-Content im Web und für Apps vorgestellt. Es bietet absolute Wahlfreiheit für Verleger – ein Direktangriff auf Apple.Vergangene Woche hat Google in Berlin sein neues Bezahlsystem für digitale Abos – Google One Pass – vorgestellt. Dabei fällt vor allem eines auf: Google kommt den Verlagen stark entgegen. Einerseits wird das System für alle elektronischen Kanäle verfügbar sein und andererseits lässt One Pass den Verlägern freie Hand. Gratis-Zugänge für Abonnenten, metrische Systeme, Verkauf von Einzelartikel – alle das soll mit dem System möglich sein. Mit diesem umfassenden Angebot will man sich vor allem von Apples Closed-Shop-Prinzip abgrenzen.

Auch für Leser soll das Verwalten der Abos einfacher werden. Ein Single-Sign-on macht es möglich, dass der User jederzeit alle Abos die auf One Pass laufen im Auge hat.

Wer mich kennt, weiß, dass ich Paid-Content Modellen gegenüber äußerst skeptisch bin. Doch auch ich muss zugeben, dass es mit One-Pass nun das erste Mal eine brauchbare Alternative zu Apples iTunes gibt. Allerdings bleibt ein Problem bestehen, dass auch die besten technischen Systeme nicht aus der Welt schaffen können: Der Content, der heute im Netz oder auf Apps geboten wird, lässt sich nicht verkaufen.

Warum? Weil Verlage weiterhin nicht in die Qualität ihrer Nachrichten investieren. Derzeit wird vor allem in die Technik investiert. Apps werden gebaut, in denen Videos mit Artikeln oder Bildern verknüpft werden, in denen es statt des Aufmacherbilds in der Zeitung eine Fotoserie gibt, in denen man Artikel kommentieren kann.

Klar – optisch sieht das alles eindrucksvoll aus, in Wahrheit ist es aber nichts anderes als Zweitverwertung von Content, den es schon gibt – Content, der werbefinanziert im Internet gratis angeboten wird. Noch schlimmer als die fehlenden Investitionen ist, dass dieser Content selbst von der Branche als „zweitklassig“ bewertet wird. In Verlagen und unter Journalisten herrscht das Vorurteil vor, dass Artikel von Online-Journalisten nicht dieselbe Qualität habe, wie jene von Print-Journalisten.

Klar beweisen ich selbst und einige Kollegen jeden Tag das Gegenteil – dennoch bin ich der Meinung, dass sich Online kein Abomodell durchsetzen wird, solange Verleger und Journalisten in „alten“ Medien nicht selbst an die Qualität des Produktes Online-Nachricht glauben. Daran wird auch Googles One Pass nichts ändern.

 

von Roman Huber

Bildquelle: Idea go / FreeDigitalPhotos.net