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Roman Vigut

Journalist & Blogger

Rating herabgestuft: na und?

Immer wieder liest man in jüngster Zeit von Herabstufungen der Kreditwürdigkeit mancher Euro-Länder. Doch was vor einem Jahr noch für Panik gesorgt hat, wird inzwischen lässig ignoriert. Eine gefährliche Haltung.

Im ersten Halbjahr 2010 war ganz Europa fest im Griff der drei Ratingagenturen Standard & Poor´s, Fitch und Moody´s. Diese drei US-amerikanischen Firmen maßen sich an, über die Kreditwürdigkeit von Unternehmen und Staaten zu urteilen. Die Auftraggeber sind zumeist börsennotierte Konzerne, größtenteils aus den USA.

Erst Griechenland, dann Irland, Portugal und Spanien – an den Börsen wurde im großen Stil gegen den Euro gewettet. Große Gurus der Finanzwelt sprachen schon von der Dollar-Euro-Parität.

Doch oft kommt es anders, als man denkt. Der erst als zu schwach kritisierte Euro-Rettungsfonds hat den internationalen Ratings die Zähne gezogen. Die Bonität von Irland und Portugal wurde in den vergangenen Wochen mehrfach herabgestuft – Griechenlands Rating ist sowieso im Keller.

Was macht der Euro? Er klettert munter weiter. Drohungen in Richtung Spanien oder Belgien – wen kümmert´s. Die Gemeinschaftswährung ist so stabil wie nie zuvor.

Doch genau darin liegt auch die Gefahr. Der massive Fall des Euro hat die EU-Regierungschefs gezwungen, die politische Integration zu forcieren. Sie mussten Teile ihrer Budgethoheit aufgeben. Ein wichtiger und richtiger Schritt, auch wenn Rechtspolitiker am Stammtisch das Gegenteil behaupten.

Nun hat sich die Lage stabilisiert und die Staatschefs verfallen wieder in alte Verhaltensmuster. Wichtige Reformen, die den Euro und den Wirtschaftsraum Europa stärken würden, gehen im ewigen Geplänkel zwischen den „kleinen“ und den „großen“ EU-Staaten unter.

Jeder sieht ein, dass das wirtschaftliche Ungleichgewicht zwischen den Staaten ausgeglichen werden muss. Doch sobald es um konkrete Schritte oder Konsequenzen geht, steigen die Länder auf die Bremse. Vor allem Exportländer wie Deutschland, die Niederlande oder Österreich sehen nicht ein, warum ihre großen Erfolge ein Teil des Problems sein sollen. Sie sehen nicht ein, warum sie den Ländern mit weniger Ausfuhren unter die Arme greifen müssen.

Und so hart es klingt, aber eigentlich bräuchten wir eine weitere Eurokrise, damit die Sturköpfe in Berlin, Wien und Amsterdam endlich einsehen, dass ein gemeinsamer Wirtschaftsraum auch eine echte gemeinsame Wirtschaftspolitik braucht.

 

von Roman Huber

Dieser Beitrag entstand im Rahmen meiner Tätigkeit für Kleine Zeitung Digital. Es gilt österreichisches Urheberrecht. Die Verwertungsrechte liegen bei Kleine Zeitung Digital.

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