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Roman Vigut

Journalist & Blogger

Strg-C, Strg-V: Plagiate gefährden Journalismus

Am 01. März ist der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wegen der Plagiat-Affäre zurückgetreten. Dieser Rücktritt ist nicht nur ein Signal für so manchen Politiker, er setzt auch ein Zeichen dafür, dass Copy-Paste in der Wissenschaft kein Kavaliersdelikt ist. Diese Einstellung wäre auch für den Journalismus wünschenswert.

Als am Dienstag Guttenberg die einzig logische Konsequenz aus der Plagiat-Affäre zog und zurücktrat, erteilte er den deutschen Medien eine Schelte, weil sie sich nur auf seine Person und seine Fehler konzentriert hätten. So gekonnt er diesen Vergeltungsschlag auch durchgeführt hat, gerechtfertigt war er nicht. Es ist die Aufgabe der Medien, über Personen des öffentlichen Interesses zu berichten.

Er hätte die Medienlandschaft jedoch mit einem alten Spruch in die Schranken weisen können: „Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen.“ Denn die Tastenkombinationen Strg-C und Strg-V sind in der Medienwelt weithin bekannt. Zeitungen und Nachrichten-Webseiten übernehmen auf diese Weise PR-Texte. Auch Agenturmeldungen werden kopiert, ohne die Quelle anzugeben. Radio- und TV-Stationen bedienen sich bei Youtube, Vimeo und Co., die Urheber der Inhalte bleiben unbekannt. Plagiate so weit das Auge reicht.

Dass gerade ich als Online-Journalist diese Vorgehensweise anprangere, mag manchen Insider seltsam vorkommen. Denn Kollegen aus den alten Medien bezeichnen die Mitarbeiter von Nachrichten-Webseiten gerne als Copy-Paste-Journalisten. Sie selbst wollen sich damit von den Online-Kollegen abgrenzen. Doch möchte ich eben jene Fragen, ob es wirklich noch nie vorgekommen ist, dass sie von Wikipedia abgeschrieben, einen Bericht für die Klatschspalte von TMZ übernommen oder einfach eine PR-Meldung ins Blatt genommen haben?

Gerade als Onliner verurteile ich diese Vorgehensweise. Sie schadet nicht nur dem Ansehen eines jeden Journalisten, sondern auch der gesamten Medienbranche. Denn egal ob Online-, Print- oder elektronische Medien – wer Inhalte ohne Quellenangabe veröffentlicht, ist nicht besser als Guttenberg. Daher an alle Kollegen, die in ihren Kommentaren den deutschen Ex-Verteidigungsminister kritisiert haben: Bevor ihr ein Urteil fasst, hinterfragt erst eure eigenen Methoden.

 

von Roman Huber

Bildquelle: Roman Huber